James Tiptree Jr. (1915-1987) ist das männliche Pseudonym von Alice B. Sheldon. Tiptrees geheimnisvolle Identität faszinierte die Fans und gab Anlass zu vielen Spekulationen, freilich glaubten alle, es müsse sich um einen Mann handeln. Die Aufdeckung, noch zu ihren Lebzeiten, war ein Schlag: Diese knappen, harten und frechen Kurzgeschichten, die nur allzu häufig mit dem Tod enden, waren von einer alten Dame mit weißen Federlöckchen verfasst worden.
Sie zählt unter Science-Fiction-Fans zu den großen Klassikern, gleich neben Philip K. Dick und Ursula K. Le Guin. Ihre Kurzgeschichten, die sie erst im Alter von einundfünfzig Jahren zu schreiben begann, und von denen einige wohl zu den besten des späten 20. Jahrhunderts gehören, brachten ihr schnell Ruhm und zahlreiche Auszeichnungen ein.
Dennoch litt sie ständig unter schweren Depressionen und Todessehnsucht. Nach einem vorab geschlossenen Selbstmordpakt erschießt Sheldon im Alter von einundsiebzig Jahren erst ihren vierundachtzigjährigen Mann und dann sich selbst.
2011 startete der Septime Verlag die Werkausgabe James Tiptree Jr. – Sämtliche Erzählungen in sieben Bänden. Die Erzählungen sind chronologisch geordnet, nach dem Datum, an dem die Autorin sie erstmals einreichte. Parallel dazu erschien die Biografie der US-amerikanischen Journalistin Julie Phillips, James Tiptree Jr.: Das Doppelleben der Alice B. Sheldon; für die Übersetzung erhielt Margo Jane Warnken 2014 den Kurd-Laßwitz-Preis. Die beiden Romane von James Tiptree Jr. erschienen 2016 und 2018, ein Band mit Briefen, dem Briefwechsel zwischen James Tiptree Jr. und Ursula K. Le Guin sowie Essays und der Lyrik der Autorin 2016 unter dem Titel Wie man die Unendlichkeit in den Griff bekommt.
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